Briefe der Bürgermeisterin

Heute melde ich mich als Bürgerin zu Wort!

Das von der Bunderegierung aktualisierte Schutzkonzept für die Bevölkerung begrüße ich sehr! Es handelt sich weder um Panikmache, noch um überflüssige Hinweise an die Bevölkerung und es steckt auch nicht mehr dahinter, als das, was wir tagtäglich ohnehin schon aus den Medien erfahren. Manchmal ist das alleine ja schon beunruhigend.

Es ist längst überfällig, das aus Nachkriegszeiten und dem Kalten Krieg existierende Konzept zu überarbeiten. Denn mehr denn je sind wir heute abhängig von kritischer Infrastruktur, will heißen: Ohne Stromversorgung funktioniert in unserem Land nicht einmal der Einkauf oder das Tanken. Noch vor 20 Jahren hatten wir auf dem Land wesentlich mehr Eigenversorgung aus den Gärten und auch Hausschlachtungen waren noch häufiger der Fall. Das mittlerweile teilweise „blinde" Vertrauen in die technisierte Welt macht die Menschen verletzbarer, als sie selbst annehmen. Und auch der Glauben, der Staat d.h. in dem Fall, die jeweilige Kommune könne helfen, wenn eine Katastrophe wie Stromausfall, Hitzewelle oder unerwartete starke Wintereinbrüche, die aufgrund der klimatischen Veränderungen nicht völlig abwegig sind, ist leider ein Irrglaube. Staatliche Aufgabe ist es vor allem, die Menschen darüber aufzuklären.

Ein gesundes Maß an Vorsorge kennen wir doch alle aus dem Gesundheitsbereich, wenn es um Vorsorgeuntersuchungen und gesunde Ernährung geht; auch bei Geldgeschäften und Versicherungen treffen viele Menschen Vorsorge.

Und was ist eigentlich so schlimm daran, wenn man einmal mehr als eine Tiefkühlpizza vorrätig hat?

Konserven, Mehl, Zucker, Wasser, ein paar notwendige Medikamente oder eine Dynamo-Taschenlampe sind doch kein Grund, Panik zu schieben. Muss es gleich ein politische Debatte anheizen, wenn der Staat einmal richtig seine Aufgabe wahrnimmt und die Bevölkerung sensibilisiert für Szenarien, die nicht ganz unwahrscheinlich sind. Denken Sie bitte daran, dass wir in allen Geschäften, Rathäusern, Krankenhäusern, selbst bei Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten alle gelichermaßen betroffen sind, wenn es beispielsweise für einige Stunden, gegebenenfalls Tage keinen Strom gibt.

Ehrlich gesagt, bin ich als normale Bürgerin froh darüber, dass es Menschen in unserer Regierung gibt, die sich über den Schutz jedes einzelnen Gedanken machen.

Cäcilia Reichert-Dietzel